Ernst Lubitsch Preis

 

Der Preis

Pan-Figur von Erich Fritz Reuter

Der Preis wird jährlich verliehen vom CLUB DER FILMJOURNALISTEN BERLIN E. V.

Die unergründliche Leichtigkeit des Seins:

Bedeutung und Geschichte des Ernst-Lubitsch-Preises

Was für Hitchcock der MacGuffin, war dem Lubitsch sein Touch: Wenngleich der Ursprung seines Markenzeichens nie umfassend geklärt wurde und eine genaue Definition damit ausbleibt, gilt Ernst Lubitsch heute noch als unangefochtener Meister elegant-frivoler Gesellschafts-Komödien. Bekannt für seine leichtfüßigen Inszenierungen, in denen er Zensierungen von erotischen Zuspitzungen mit ironischen Doppeldeutigkeiten und wohl dosierten Handlungs-Auslassungen umschiffte, schuf er zeitlose Meisterwerke wie "Ärger im Paradies", "Blaubarts achte Frau" und "Ein himmlischer Sünder".

Mit seiner Chuzpe, auch ernste Themen in federleichte Unterhaltung zu kleiden – vor allem in der Nazi-Parodie "Sein oder Nichtsein" – hat der deutsch-jüdische Sohn eines Damenschneiders unzählige Bewunderer gewonnen: Jean Renoir etwa, der in ihm den Erfinder des modernen Hollywood sah. Oder Frankreichs populärster Autorenfilmer François Truffaut, der den Lubitsch-Stil mit seinen Weglassungen zur Kunstform erhob: "Im Lubitsch-Emmentaler ist jedes Loch genial." Und natürlich der unvergessene Billy Wilder, einstiger Lubitsch-Assistent und Drehbuchautor von dessen "Ninotschka", der die Technik seines Förderers anhand einer Filmszene erklärte und resümierte: "Jeder hätte es anders gelöst, aber keiner hätte es so elegant, so witzig und so spannend fürs Publikum gemacht wie der Lubitsch." Als sein Vorbild dann 1947 in Hollywood zu Grabe getragen wurde,  brachte Wilder seine Trauer gegenüber Freund und Kollege William Wyler auf den Punkt: "Kein Lubitsch mehr." Die lakonische Antwort des "Ben Hur"-Regisseur: "Es ist ja noch schlimmer: Keine Lubitsch-Filme mehr!"

Jahre später regte Wilder (vielleicht auch rückblickend auf dieses hintersinnige Begräbnis-Gespräch) an, zu Gedenken an das große Idol einen Ernst-Lubitsch-Preis für die beste komödiantische Leistung ins Leben zu rufen. Eine Idee, die vom Club der Filmjournalisten e.V. in Berlin und seines langjährigen Vorstands, dem SFB-Urgestein Goetz Kronburger, mit Begeisterung aufgenommen und auch umgesetzt wurde: Erstmals 1958 an den Regisseur Kurt Hoffmann (für seine Regie zu "Das Wirtshaus im Spessart") verliehen, entscheiden die Mitglieder seitdem jährlich in geheimer Abstimmung, welcher Künstler die Auszeichnung bekommen soll. Überreicht wird die Trophäe - eine Pan-Figur, von dem berühmten Berliner Bildhauer Erich Fritz Reuter entworfen und der Gießerei Hermann Noack (u.a. auch für die Berliner Bären verantwortlich) angefertigt – in der Regel um den 29. Januar herum, dem Geburtstag von Ernst Lubitsch.

Seit 2006 organisiert Filmjournalist Markus Tschiedert die Preisverleihung und hat dafür gesorgt, dass diese in einem größeren öffentlichen Rahmen stattfindet. Mit Filmvorführungen, Sektempfang und Gästen aus Kino, Kultur und Politik erfolgte die Zeremonie seitdem im Berliner Traditions-Kino Babylon, dessen Theaterleiter Timothy Grossman ebenfalls ein großer Lubitsch-Fan ist.

Mit seiner fast 60 Jahren Geschichte gilt der Ernst Lubitsch Preis damit heute nicht nur als einer der renommiertesten Auszeichnungen im Deutschen Film überhaupt, sondern ist ein Spiegelbild deutscher Komödien-Kulturgeschichte. Die bisher ausgezeichneten Schauspieler lesen sich wie das "Who is Who" des deutschen Unterhaltungskinos: Heinz Rühmann ("Der Pauker"), Gert Fröbe ("Der Gauner und der liebe Gott"), Mario Adorf ("Reise nach Wien"), Marius Müller-Westernhagen ("Theo gegen den Rest der Welt"), Loriot ("Ödipussi"), Harald Juhnke ("Schtonk!"), Katja Riemann ("Stadtgespräch"), Christiane Hörbiger ("Die Gottesanbeterin"), Til Schweiger ("Keinohrhasen") – um nur einige zu nennen. Aber auch viele bekannte Regisseure wurden mit dem Ernst Lubitsch-Preis bedacht, darunter Sönke Wortmann ("Der bewegte Mann"), Helmut Dietl ("Rossini") und Tom Tykwer ("Lola rennt"). Selbst Hollywood-Legende Mel Brooks, der Lubitsch mit einem Remake seines berühmtesten Films "Sein oder Nichtsein" Tribut zollte, durfte sich über eine Ehrenauszeichnung im Jahr 2009 freuen.